MTG-Formate erklärt: Draft – so funktioniert es und so baust du dein Deck

|Omèr Cremers
MTG Formats Uitgelegd: Draft — zo werkt het en zo bouw je je deck

⚡ Auf einen Blick

Draft ist ein Magic-Format, bei dem du dir vor Ort ein Deck aus Karten zusammenstellst, die du mit anderen Spielern teilst. Du öffnest 3 Booster, wählst pro Runde eine Karte aus und gibst den Rest weiter. Am Ende hast du etwa 40 Karten, aus denen du ein Deck mit 40 Karten baust — meist 17 Länder und 23 Sprüche. Jeder fängt bei Null an, dein dickes Portemonnaie hilft dir also nicht. Geschick und Glück hingegen schon.

Sealed Magic macht an einem Draft-Tisch am meisten Spaß: acht Spieler, drei Packungen pro Person, ein paar Stunden Zeit, und am Ende hat jeder sein eigenes einzigartiges Deck aus demselben Kartenpool gebaut. Keine Vorbereitung, kein "wer hat das teuerste Deck", einfach nur: öffnen, wählen, weitergeben. Es ist eine meiner liebsten Arten, Magic zu spielen.

In diesem Guide erkläre ich dir, wie ein Draft funktioniert, was die Regeln sind, wie du ein gutes 40-Karten-Deck baust und — noch wichtiger — wie du etwas seltener verlierst. Egal, ob du noch nie gedraftet hast oder gerade erst anfängst: Nach diesem Guide weißt du genug, um dich mit an den Tisch zu setzen.


Was ist Draft genau?

Draft ist ein Limited-Format: Du verwendest keine Karten aus deiner eigenen Sammlung, sondern baust dein Deck vor Ort aus Karten, die du während des Events erhältst. Du öffnest Booster, wählst eine Karte aus, gibst den Rest weiter und machst das Runde für Runde, bis alle Packungen leer sind. Danach baust du ein Deck aus mindestens 40 Karten und spielst gegen die anderen Drafter.

Das Schöne daran: Jeder startet mit den gleichen Chancen. Es gibt keinen "Vorteil durch teure Decks" — du musst nicht erst für hunderte Euro Karten kaufen. Geschick und ein bisschen Glück bestimmen, wer gewinnt, und genau deshalb ist Draft ein so faires und soziales Format.

💡 Draft oder Sealed? Diese beiden werden oft verwechselt, aber der Unterschied ist einfach. Beim Draft teilt ihr die Karten untereinander auf: Du wählst eine aus und gibst den Rest weiter. Beim Sealed bekommt jeder sechs Packungen, die du komplett selbst öffnest und aus denen du allein ein Deck baust — du teilst nichts. Sealed ist einfacher für Anfänger, weil du keine Entscheidungen unter Druck treffen musst. Draft ist strategischer und wird von den meisten Spielern als unterhaltsamer empfunden.


Was brauchst du?

Ein Draft ist vorbereitungsarm — das ist eines der schönsten Dinge daran:

  • 2 bis 8 Spieler (8 ist Standard, aber 4 oder 6 funktionieren auch bestens)
  • 3 Play Booster pro Spieler aus demselben Set
  • Standardländer, um dein Deck zu ergänzen (fast jeder Laden hat einen Vorrat)
  • Hüllen (Sleeves) sind zu empfehlen, besonders wenn du deine Draft-Karten behalten möchtest
  • Ein Tisch, an dem jeder jeden erreichen kann, um Packungen weiterzugeben

💡 Tipp von Omèr: Möchtest du einen eigenen Draft-Abend mit deinen Freunden organisieren? Plane insgesamt etwa 2 bis 2,5 Stunden ein: 45 Minuten für den Draft, 15 Minuten für den Deckbau und den Rest der Zeit für die Partien. Für acht Spieler brauchst du 24 Booster — mit einer Play-Booster-Box hast du also mehr als genug. Alle Play Booster ansehen →


Wie funktioniert ein Draft? Schritt für Schritt

Die Basis ist simpel, aber es ist gut, die Schritte einmal in Ruhe durchzugehen:

Schritt Was passiert
1. Setup 8 Spieler (oder 4–6) sitzen in einem Kreis oder Halbkreis. Jeder Spieler hat 3 ungeöffnete Play Booster vor sich liegen.
2. Pack 1 — öffnen Jeder öffnet seine erste Packung. Die Token-Karte und das Standardland werden beiseitegelegt. Du hast 13 Karten zur Auswahl übrig.
3. Erste Wahl Jeder wählt eine Karte aus seiner Packung und legt sie verdeckt vor sich ab.
4. Weitergeben — links Den Rest der Packung gibst du an deinen linken Nachbarn weiter. Du erhältst selbst eine Packung von rechts.
5. Nächste Wahl Wähle wieder eine Karte aus, gib den Rest weiter. Wiederhole dies, bis die Packungen leer sind.
6. Pack 2 — andere Richtung Jeder öffnet seine zweite Packung. Jetzt gibst du nach rechts weiter.
7. Pack 3 — zurück nach links Die dritte Packung geht wieder nach links (die Richtungen sind also: links — rechts — links).
8. Deckbau Du hast jetzt etwa 39 bis 42 Karten. Daraus baust du ein Deck mit mindestens 40 Karten, ergänzt durch Standardländer.
9. Spielen! Jeder spielt 1-gegen-1-Partien gegeneinander. Das beste Deck gewinnt.

📦 Kurz zu den Mengen. Falls du auf ältere Guides stößt, in denen steht, dass man 45 Karten draftet: Diese wurden für die alten 15-Karten-Draft-Booster geschrieben. Seit 2024 verwendet Wizards Play Booster mit 14 Karten, in denen auch ein Standardland enthalten ist. In der Praxis wählst du also aus 13 Karten pro Packung und hast nach drei Packungen etwa 40 Karten übrig — gerade genug für ein Deck, mit wenig Spielraum. Mehr über die verschiedenen Boostertypen erfährst du unter MTG Boostertypen erklärt.


Das Deck bauen — die 17/23-Regel

Du hast etwa vierzig Karten gesammelt. Daraus musst du ein Deck mit mindestens 40 Karten bauen — und fast jeder bleibt bei genau 40 (größeres Deck = geringere Chance, deine besten Karten zu ziehen). Die Faustregel, die schon seit Jahren funktioniert:

  • 17 Länder — meist Standardländer, eventuell ein Dual-Land oder ein "Fixer", wenn du zwei Farben spielst
  • 23 Sprüche — Kreaturen, Instants, Sorceries, alles, was kein Land ist
  • Gesamt: 40 Karten
  • Spielst du ein aggressives, schnelles Deck? Versuche es mit 16 Ländern. Ein langsames, kontrolllastiges Deck? Gehe auf 18.
  • Gute Verteilung der Manakosten: etwa 4-6 Karten bei 2 Mana, 6-8 bei 3 Mana, 4-5 bei 4 Mana und ein paar teurere Finisher.
  • Ziele auf etwa 15 bis 17 Kreaturen ab. Limited-Partien werden fast immer auf dem Spielfeld entschieden.

Die Karten, die du nicht in dein Deck nimmst, bilden dein Sideboard — diese darfst du zwischen den Runden austauschen, um dein Deck an deinen Gegner anzupassen.


Gute Picks machen — eine Mini-Strategie

Draften ist eine Fähigkeit, die man durch Übung erlernt. Aber diese Prinzipien bringen dich blitzschnell weiter:

1. Pack 1, Pick 1: Nimm einfach die beste Karte

Zu Beginn von Pack 1 musst du noch nicht an Farben denken. Nimm einfach die stärkste, wirkungsvollste Karte, die du siehst — meist eine Rare oder eine starke Uncommon. Diese Karte bestimmt oft, in welche Richtung dein Deck geht.

2. Frühe Picks: Bleib offen

Die ersten paar Karten aus Pack 1 können verschiedene Farben haben. Deine Festlegung kommt erst später. Wenn du dich doch verbinden willst: Achte besonders auf Signposts — Uncommons, die explizit zwei Farben miteinander verbinden. Sie geben dir einen Hinweis auf das Thema, in dem diese Farbkombination gespielt werden kann.

3. Lies die Signale

Das ist das Geheimrezept beim Draften. Wenn du in der Mitte von Pack 1 immer noch starke blaue Karten durchgereicht bekommst, obwohl du vor vier Picks auch schon Blau gewählt hast — dann sitzt wahrscheinlich niemand vor dir, der ebenfalls Blau spielt. Das ist ein offenes Signal: Bleib bei Blau. Umgekehrt: Bekommst du nur noch schwache Reste? Dann spielt jemand anderes deine Farbe und du solltest vielleicht wechseln.

💡 Tipp von Omèr: In Pack 2 dreht sich die Richtung — du erhältst jetzt Karten vom Spieler zu deiner Linken und gibst nach rechts weiter. Das ist der Moment, um Farben einzuschätzen: Wenn dein linker Nachbar Karten deiner Farbe weitergibt, weißt du, dass er nicht deine Farbe spielt. Gute Nachrichten.

4. Pack 3: Fülle die Lücken

Gegen Pack 3 weißt du, was dein Deck macht und was ihm fehlt. Hast du zu wenige 2-Mana-Sprüche? Dann nimm etwas Gutes für 2 Mana, auch wenn eine teurere Karte "stärker" ist. Fehlt dir Removal? Ein ordentlicher Removal-Spruch ist dann besser als eine zweite Mythic. Ein ausgewogenes Deck gewinnt mehr Partien als ein Deck voller Top-Karten ohne Zusammenhang.


BREAD: die klassische Pick-Reihenfolge

Schwankst du zwischen zwei Karten und kannst dich nicht entscheiden? Dann gibt es eine Faustregel, die seit Jahrzehnten besteht, die Eselsbrücke BREAD. Es ist kein Gesetz, aber als Anfänger kommt man damit erstaunlich weit:

Buchstabe Steht für Was du suchst
B Bombs Karten, die im Alleingang eine Partie gewinnen, wenn dein Gegner keine Antwort hat. Nimm sie immer.
R Removal Alles, womit du eine Kreatur vom Feld entfernst. Im Limited enorm wertvoll, da jeder Bomben hat.
E Evasion Kreaturen, die leicht durchkommen — flying, menace, trample. Sie besiegeln deinen Schaden.
A Aggro Solide Kreaturen mit guten Werten für ihr Mana. Das Rückgrat jedes Limited-Decks.
D Duds Situative Karten, die du nur in dein Sideboard packst. Nimm sie erst, wenn nichts Besseres mehr da ist.

Du kennst die Keywords noch nicht? Unter alle MTG-Keywords erklärt steht genau, was Flying, Trample und Menace tun — und warum Evasion im Limited so viel wert ist.


Klassische Anfängerfehler

  • Zu wenig Länder. Im Zweifel: Nimm 17. Nichts ist frustrierender, als bei einem Stapel teurer Karten auf Mana festzustecken.
  • Zu viele Farben. Zwei Farben sind ideal für deinen ersten Draft. Drei Farben funktionieren nur, wenn du gute Mana-Fixing-Möglichkeiten hast — nicht als Anfänger.
  • Zu viele Finisher, zu wenig Kurve. Vier Karten mit 6 Mana sind großartig, außer wenn dein Deck auf Turn 4 bereits verloren hat. Baue eine Manakurve.
  • An einer Karte festhalten, die nicht passt. Hast du im ersten Pick eine tolle rote Karte genommen, aber dein Deck wird jetzt Blau-Weiß? Lass sie los. Sie hat keinen Wert in deinem Deck.
  • Zu wenige Kreaturen. Ein Deck mit acht Kreaturen und fünfzehn Sprüchen klingt schlau, verliert aber gegen jemanden, der einfach angreift. Ziele auf fünfzehn oder mehr ab.

Kurz zum Rare-Drafting

Es kommt der Moment, an dem du zwischen einer teuren Rare, die nicht in dein Deck passt, und einer langweiligen Common, die dein Deck wirklich besser macht, wählen musst. Das nennt man Rare-Drafting, und an jedem Tisch gibt es dazu unterschiedliche Meinungen.

Meine ehrliche Meinung: Bei einem entspannten Abend mit Freunden darfst du nehmen, was du willst — du bezahlst schließlich selbst für deine Booster, also ist es deine Karte. Aber bei einem organisierten Event, bei dem es ums Gewinnen geht, ist es fair, für dein Deck zu draften. Du sitzt mit sieben anderen am Tisch, die ein gutes Spiel haben wollen.

Wo es wirklich schwierig wird, ist, wenn du es heimlich machst und dich hinterher beschwerst, dass dein Deck nicht funktioniert. Sei vorher einfach offen: "Ich drafte aus Spaß, nicht um zu gewinnen." Dann weiß jeder, woran er ist — genau wie beim Rule 0-Gespräch bei Commander.


Andere Draft-Varianten

  • Cube Draft — nicht aus normalen Boostern, sondern aus einem von jemandem sorgfältig zusammengestellten "Cube" aus Karten. Oft eines der besten Draft-Erlebnisse, da die durchschnittliche Kartenqualität viel höher ist.
  • Pick-Two Draft — du nimmst jedes Mal zwei Karten pro Packung statt einer. Schneller und chaotischer, und du behältst am Ende einen etwas größeren Kartenpool. Wird von Wizards bei speziellen Events wie der Hobbit Draft Night genutzt.
  • Chaos Draft — jeder Spieler bekommt drei Packungen aus verschiedenen Sets. Wilder und weniger strategisch, aber extrem unterhaltsam.
  • Winston Draft — eine 2-Spieler-Variante, ideal für zu Hause zu zweit.

Bereit zu draften?

Der einzig wahre Weg, Draften zu lernen, ist es zu tun. Plane einen Abend mit Freunden, kaufe drei Play Booster pro Person und tauch ein. Beim ersten Mal wird es chaotisch — danach wirst du mit jedem Mal besser.

Einen Draft-Abend planen?
Sieh dir die Play Booster im Shop an — perfekt für einen gemütlichen Draft-Abend mit deinem Freundeskreis.

Zu den Play Boostern →

Noch nie Magic gespielt? Beginne bei Wie funktioniert Magic: The Gathering? Nicht sicher, welcher Booster-Typ der richtige ist? Lies MTG Boostertypen erklärt. Und schauen, wo du in der Nähe draften kannst? Check Wo kannst du MTG in Maastricht und Limburg spielen?


Omèr Cremers, Inhaber von SpellArmory Maastricht

Geschrieben von Omèr Cremers
Inhaber von SpellArmory, Sozialarbeiter und Vollzeitvater. Fanatischer MTG-Spieler und Sammler aus Maastricht — Commander ist mein liebstes Format. Fragen dazu, welches Produkt zu dir passt? Schreib mir gerne eine Nachricht.

Deel dit artikel